Wie weiter mit der DDR?

27 02 2007

Diese Frage stellte sich ja bereits im vorhergehenden Artikel.
Und wie aus der Pistole geschossen, beantwortet Sie Thüringens Justizminister Harald Schliemann (CDU) in seinem Statement zur verdeckte Online-Durchsuchung.

Ok das ganze wird sicher wieder als Strohfeuer enden. Aber mal im ernst: Dass man sich lauthals öffentlich überhaupt Gedanken macht, ob es sinnvoll wäre, die verdeckte Online-Durchsuchung einzuführen oder nicht, finde ich schon äußerst perfide.
Für mich hört sich das ein wenig nach übereiltem Aktionismus, Mediensucht und dem Ruf nach einem starken Staat an.
Schon die Rasterfahndung hatte gezeigt, dass übereilte Aktionen nichts bringen und dies auch in Zeiten von Terroristen, Radikalen keine Wirkung zeigt. Meiner Meinung nach ist das gesteigerte Medieninteresse nicht ganz unschuldig an die Heraufspielung von Gefahrenszenarien… In Wirklichkeit ist die sogenannte Bedrohung keineswegs so enorm, wie sie ständig dargestellt wird und führt nur wieder hin zu Diskriminierungen, Rassenhass und dem Ruf nach einem Starken Staat der bitte alle Bösen Menschen kontrollieren und verhaften soll. Dass man dabei vielleicht ganz leicht selbst in die Falle tappt, ist einem erstmal wohl weniger bewusst…
Verdeckte Online-Durchsuchungen helfen auch bei Unfällen durch Alkoholisierte Verkehrsteilnehmer nicht weiter, die Gefahr ist wesentlich realer und geschieht einfach öfter! Dabei ist ganz einfach Zivilcourage gefragt!

In einem Zeitalter, in dem alle möglichen Dinge online erledigt werden (müssen), kann es nicht angehen, dass die momentan meiner Meinung nach noch fehlende Medienkompetenz eines Großteils der Bevölkerung dazu genutzt wird, langfristige politische Entscheidungen (bzgl. der Freiheit des Einzelnen) so überstürzt und teils hinterhältig zu machen.

Noch zwei schöne Zitate (nein Benjamin hat heute frei ;) :

“Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird.”
Erich Kästner

“Die Presse muß die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun.”
Alain Peyrefitte

“Die Freiheit der Rede hat den Nachteil, daß immer wieder Dummes, Häßliches und Bösartiges gesagt wird. Wenn wir aber alles in allem nehmen, sind wir doch eher bereit, uns damit abzufinden, als sie abzuschaffen.”
Winston Churchill

[Update 28.02.2007]
In der TBZ habe ich soeben noch einen schönen Artikel dazu gefunden.



Das Leben der Anderen oder Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

27 02 2007

Bereits am Montag, dem 12.02.2007 war ich Zuhörer bei einer Diskussion zur offiziellen Eröffnung der Photoausstellung “Die ewige DDR”, die vom 12.–24. Februar in der Goethe Galerie, Jena zu sehen war. Die Diskussion drehte sich um das Thema “Wie weiter mit der DDR?”. Ein sehr provokanter Titel – gerade in einer verhältnismäßig kleinen Stadt, in welcher doch der Neue Kapitalistische Zeitgeist, verkörpert durch einige Firmen im Intershop JenTower, präsenter und agiler zu spüren ist, als irgendwo sonst in den neuen Bundesländern.

Aber was macht es dann so interessant, solch eine Photoausstellung und Diskussion gerade in Jena zu führen?
Vielleicht der Umstand, dass man hier noch ganz unter sich sein kann? Was dann ein in vielen Augen typisches Ostphänomen – die Ostalgie – wäre. Oder liegt es schlicht und ergreifend daran, dass Jena eines der Zentren der Oppositionellen in der DDR war.
Vielleicht sind es doch einfach die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die überhaupt zu den Photos geführt haben? Dass diese Photos damals ein revolutionärer und von der Staatssicherheit (Stasi) überwachter Vorgang waren. Aber wie kommt man in diesem Zusammenhang auf solch einen absurden Titel für die Diskussion – “Wie weiter mit der DDR?”. Es mag Menschen geben die es noch nicht mitbekommen haben, aber wir befinden uns im Jahre 17 nach dem offiziellem Ende der DDR.
Dementsprechendsetzte sich auch das Publikum in der Goethegalerie zusammen, welches stark durch den sehr hohen Altersdurchschnitt gekennzeichnet war (Dies ist wertfrei gemeint!). Ich finde es dennoch erschreckend, dass es kaum jugendliches Publikum in die Goethegalerie gezogen hat, denn gerade Studenten sollten doch ein vitales Interesse an dieser doch sehr nahen Vergangenheit haben und diese Episode der deutschen Geschichte nicht vergessen, um vielleicht ihre Schlüsse aus aktuellen Entwicklungen zu ziehen. Meiner Meinung nach hätte das Thema dann vielleicht besser “Wie weiter mit der DDR-Aufarbeitung?” heißen sollen.

Und was musste ich bereits kurze Zeit danach bei Spiegel Online lesen?
Unsere Volksvertreter wehren sich vehement gegen eine Aufarbeitung der Stasiakten, welche ihre Person betreffen könnten. Es ist in meinen Augen schon eine Riesensauerei, dass die Stasiakten des ehemaligen Kanzlers Kohl nicht aufgearbeitet werden dürfen und dass selbst ein Gerichtsentscheid dies bestätigte. Ich kann mich, obgleich ich noch recht jung war, an die seitenlangen Listen in verschiedenen Tageszeitungen nach der Wende erinnern in denen so mir nichts dir nichts Namen verschiedenster Personen veröffentlicht wurden, welche in Stasiakten gefunden wurden – allerdings ohne genauere Prüfung des Sachverhaltes. Zumindest in den neuen Bundesländern musste sich jeder öffentlich Angestellte, ob seiner vermeintlichen Verstrickungen in das DDR-Regime durchleuchten lassen und heute soll diese rückhaltlose Aufklärung nicht mehr stattfinden? Das kommt mir schon etwas spanisch vor und unsere Politiker müssen sich diese Frage gefallen lassen: “Warum denn nicht?” Natürlich wird als erstes Argument die eventuelle Falsch- oder unvollständige Darstellung in den Medien angeführt, welche doch als Demokratische Instanz dafür sorgen sollen, dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, sich seine eigene Meinung zu ‘Bild’en. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang noch der Fall “Cicero” als eine weitere Frage auf…

Aber nochmal kurz zurück zur Ausstellung und Diskussion. Die Diskussion fand ich persönlich sehr spannend, besonders weil sich ein ehemaliger Oppositioneller (Uwe Kulisch vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte) und ein ehemaliger Mitarbeiter der Staatssicherheit (Jens-Fietje Dwars – Redakteur des Literatur- und Kulturmagazins Palmbaum), zufällig, wie ich annehme, gegenüber saßen. In der Diskussion entstand für mich der Eindruck, dass – und diese Herren werden mir sicherlich widersprechen – dass ihre damaligen Positionen und Intentionen zum Teil gar nicht so weit auseinander lagen. Obgleich sie von unterschiedlichen Seiten des Systems herangingen, wollten sie doch beide eigentlich nur eine “bessere” DDR. Natürlich ist es falsch, sie deshalb auf eine Ebene stellen zu wollen, denn ein Unrechtsapparat wird nicht besser, nur weil man gute Absichten hegt.

Goethegalerie Diskussion zum Thema

Parallelen zu genau diese Position werden in “Das Leben der Anderen” beschrieben, welcher nicht nur einen Oscar erhielt, sondern auch einige andere renommierte Filmpreise. Aus gegebenen Anlass haben wir uns gestern diesen Film auch angesehen und ich bin immer wieder erstaunt, wie ergreifend dieser Film ist. Sehr interessant fand ich die Seitenhiebe auf die ehemaligen Bonzen, welche durch ihre Seilschaften immer noch zu den Gewinnern der Wende zählen, obwohl sie es natürlich nicht unbedingt verdient haben.

Es wäre schön, wenn solche Ausstellungen und Diskussionen regelmäßiger stattfinden würden und gerade jetzt, da das Thema durch die Academy Awards (Oscar) in Deutschland im Moment wieder verstärkt Beachtung findet.

Danke für die Photos an JaBBa



Digitale Bohème erwischt in Jena

14 02 2007

Digitale Bohème erwischt in Jena

Digitale Bohème erwischt in Jena Nachts vor der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek.



Alte und neue Medien und Martin Luther

14 02 2007

Passend zu meinem Beitrag über die Podiumsdiskussion “Die Zukunft der Regionalzeitung im Online-Zeitalter …” hab ich letztens im Fernsehen einen interessanten Beitrag vom NDR gesehen.
Vor ein Paar Tagen dann hab ich dann das Onlinevideo auf Basic Thinking entdeckt.
Ist wirklich sehr interessant und vielleicht sogar etwas kurzweiliger als die Videos bei der Thüringerblogzentrale (TBZ). Trotzdem Vielen Dank für das Video an Sven von der TBZ.

[Update] Da hab ich doch eben noch ein interessantes Interview auf Spiegel Online mit Craigslist-Gründer Newmark gefunden, in dem er die, zugegeben etwas übertriebene, Behauptung aufstellt, Luther wäre eine der ersten Blogger gewesen…sehr interessant…



Was hat Lothar Späth mit StudiVZ zu tun?

1 02 2007

Diese Frage stellte sich mir bis gestern Abend auch nicht. Denn als mögliches Zielpublikum ist er, und das möge er mir Verzeihen doch etwas zu Alt für diesen Spaß.
Aber wie komme ich nun darauf, durch die Information das er Aufsichtratsvorsitzender der Holtzbrinck-Verlagsgruppe ist, welche ja bekanntlich StudiVZ Restübernommen hat, wird es schon langsam klarer.

Warum mir dieser Umstand (und gerade da man Lothar Späth, hier in Jena doch öfters mal sieht) noch nicht bekannt war, weiss ich auch nicht, aber interessant ist es trotzdem. Besonders interessant finde ich auch den kleinen Ausschnitt den Sven von der Thüringerblogzentrale Online gestellt hat. Aber seht und hört selbst:


Link: Kommentar bei sevenload.com

Das ist ja mal interessant…mal sehen wie lange es dauert bis Don Alphonso seinen Mist…aehm….Senf…. … naja gut … Meinung dazu schreibt



Nachlese zur gestrigen Podiumsdiskussion “Die Zukunft der Regionalzeitung im Online-Zeitalter…”

1 02 2007

Gestern abend war ich zur Podiumsdiskussion “Die Zukunft der Regionalzeitung im Online-Zeitalter – Lothar Späth im Gespräch mit Katharina Borchert, Online-Chefredakteurin der WAZ-Mediengruppe.”. War wirklich unheimlich spannend und interessant.
Für die welche nicht dabei sein konnten, gibt es auch schon eine Videoaufzeichnung, welche durch die Thüringerblogzentrale der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wurde.


Link: Vortragsvideo bei sevenload.com

Besonders interessant fand ich, das man während des Vortrages und auch in der anschließenden Diskussion, gemerkt hat wie der, sicherlich zum Teil berechtigte, Angstschweiß der anwesenden Reporter und Vertreter der Regionalzeitungen durch den Raum wehte.
Man kann mit Fug und Recht behaupten das sich für diese Gruppe im Moment und in naher Zukunft einiges ändern wird, da auch Blogger in die Regionale Berichterstattung eingebettet werden sollten und somit eine stärkere Partizipation der bisherig alleinigen Konsumenten stattfinden wird. (siehe Prosumer) Spannend fand ich in dem Zusammenhang das Katharina Borchert davon ausgeht das es sogar so weit gehen würde das es “echte” Lokale Nachrichten, sozusagen aus der Nachbarschaft, geben wird.

Sven, von der Thüringerblogzentrale, stellte in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage ob es unter Umständen zu “alternativen” Bezahlkonzepten für solche Inhalte kommen könnte. Katharina Borchert (auch bekannt durch “Lyssas Lounge” ) gab darauf eine, in meinen Augen, recht schwammige Antwort. Ich glaube auch, das Ihr dies nicht zu verübeln ist, denn im Moment weiss noch niemand, wie man solch ein Experiment auch wirtschaftlich Tragfähig gestalten kann.
Auch Lothar Späth fragte nach den möglichen Finanzierungsmodellen für eine so starke Mischung aus tradionellem Journalismus und der Vox populi, welche zum Beispiel durch Blogs nun vermehrt in den Vordergrund rückt. Auch hier war es für Katharina Borchert schwierig eine geeignete Antwort zu finden, denn fest steht im Moment nur, die Regionalzeitungen werden sich, angesichts sinkender Auflagen, wandeln müssen um weiterhin wirtschaftlich Erfolgreich zu bleiben und das wird weitreichende Konsequenzen nicht nur für die Abhängigen und Unabhängigen Mitarbeiter haben.
Ich befürchte sogar, auch anhand solcher Beispiele, das es zur Verfestigung eines breiten Prekariats kommen wird, aber diese Diskussion wäre mit Sicherheit einen eigenen Blogeintrag wert.
Am Ende standen wahrscheinlich somit wesentlich mehr Fragen im Raum als Antworten und wer weiß vielleicht lesen wir in nicht all zu ferner Zukunft:

“Breaking News: Thüringerblogzentrale an die WAZ Mediengruppe verkauft!!”