Bereits am Montag, dem 12.02.2007 war ich Zuhörer bei einer Diskussion zur offiziellen Eröffnung der Photoausstellung “Die ewige DDR”, die vom 12.–24. Februar in der Goethe Galerie, Jena zu sehen war. Die Diskussion drehte sich um das Thema “Wie weiter mit der DDR?”. Ein sehr provokanter Titel – gerade in einer verhältnismäßig kleinen Stadt, in welcher doch der Neue Kapitalistische Zeitgeist, verkörpert durch einige Firmen im Intershop JenTower, präsenter und agiler zu spüren ist, als irgendwo sonst in den neuen Bundesländern.
Aber was macht es dann so interessant, solch eine Photoausstellung und Diskussion gerade in Jena zu führen?
Vielleicht der Umstand, dass man hier noch ganz unter sich sein kann? Was dann ein in vielen Augen typisches Ostphänomen – die Ostalgie – wäre. Oder liegt es schlicht und ergreifend daran, dass Jena eines der Zentren der Oppositionellen in der DDR war.
Vielleicht sind es doch einfach die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die überhaupt zu den Photos geführt haben? Dass diese Photos damals ein revolutionärer und von der Staatssicherheit (Stasi) überwachter Vorgang waren. Aber wie kommt man in diesem Zusammenhang auf solch einen absurden Titel für die Diskussion – “Wie weiter mit der DDR?”. Es mag Menschen geben die es noch nicht mitbekommen haben, aber wir befinden uns im Jahre 17 nach dem offiziellem Ende der DDR.
Dementsprechendsetzte sich auch das Publikum in der Goethegalerie zusammen, welches stark durch den sehr hohen Altersdurchschnitt gekennzeichnet war (Dies ist wertfrei gemeint!). Ich finde es dennoch erschreckend, dass es kaum jugendliches Publikum in die Goethegalerie gezogen hat, denn gerade Studenten sollten doch ein vitales Interesse an dieser doch sehr nahen Vergangenheit haben und diese Episode der deutschen Geschichte nicht vergessen, um vielleicht ihre Schlüsse aus aktuellen Entwicklungen zu ziehen. Meiner Meinung nach hätte das Thema dann vielleicht besser “Wie weiter mit der DDR-Aufarbeitung?” heißen sollen.
Und was musste ich bereits kurze Zeit danach bei Spiegel Online lesen?
Unsere Volksvertreter wehren sich vehement gegen eine Aufarbeitung der Stasiakten, welche ihre Person betreffen könnten. Es ist in meinen Augen schon eine Riesensauerei, dass die Stasiakten des ehemaligen Kanzlers Kohl nicht aufgearbeitet werden dürfen und dass selbst ein Gerichtsentscheid dies bestätigte. Ich kann mich, obgleich ich noch recht jung war, an die seitenlangen Listen in verschiedenen Tageszeitungen nach der Wende erinnern in denen so mir nichts dir nichts Namen verschiedenster Personen veröffentlicht wurden, welche in Stasiakten gefunden wurden – allerdings ohne genauere Prüfung des Sachverhaltes. Zumindest in den neuen Bundesländern musste sich jeder öffentlich Angestellte, ob seiner vermeintlichen Verstrickungen in das DDR-Regime durchleuchten lassen und heute soll diese rückhaltlose Aufklärung nicht mehr stattfinden? Das kommt mir schon etwas spanisch vor und unsere Politiker müssen sich diese Frage gefallen lassen: “Warum denn nicht?” Natürlich wird als erstes Argument die eventuelle Falsch- oder unvollständige Darstellung in den Medien angeführt, welche doch als Demokratische Instanz dafür sorgen sollen, dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, sich seine eigene Meinung zu ‘Bild’en. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang noch der Fall “Cicero” als eine weitere Frage auf…
Aber nochmal kurz zurück zur Ausstellung und Diskussion. Die Diskussion fand ich persönlich sehr spannend, besonders weil sich ein ehemaliger Oppositioneller (Uwe Kulisch vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte) und ein ehemaliger Mitarbeiter der Staatssicherheit (Jens-Fietje Dwars – Redakteur des Literatur- und Kulturmagazins Palmbaum), zufällig, wie ich annehme, gegenüber saßen. In der Diskussion entstand für mich der Eindruck, dass – und diese Herren werden mir sicherlich widersprechen – dass ihre damaligen Positionen und Intentionen zum Teil gar nicht so weit auseinander lagen. Obgleich sie von unterschiedlichen Seiten des Systems herangingen, wollten sie doch beide eigentlich nur eine “bessere” DDR. Natürlich ist es falsch, sie deshalb auf eine Ebene stellen zu wollen, denn ein Unrechtsapparat wird nicht besser, nur weil man gute Absichten hegt.

Parallelen zu genau diese Position werden in “Das Leben der Anderen” beschrieben, welcher nicht nur einen Oscar erhielt, sondern auch einige andere renommierte Filmpreise. Aus gegebenen Anlass haben wir uns gestern diesen Film auch angesehen und ich bin immer wieder erstaunt, wie ergreifend dieser Film ist. Sehr interessant fand ich die Seitenhiebe auf die ehemaligen Bonzen, welche durch ihre Seilschaften immer noch zu den Gewinnern der Wende zählen, obwohl sie es natürlich nicht unbedingt verdient haben.
Es wäre schön, wenn solche Ausstellungen und Diskussionen regelmäßiger stattfinden würden und gerade jetzt, da das Thema durch die Academy Awards (Oscar) in Deutschland im Moment wieder verstärkt Beachtung findet.
Danke für die Photos an JaBBa
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